20. Okt

2018

Emirate gestern und heute

Zuletzt aktualisiert am 20. Oktober 2018

Abu Dhabi Skyline © Department of Culture & Tourism Abu Dhabi

Archäologische Funde lassen auf eine Besiedlung der Region der Arabischen Halbinsel schon im 5. bzw. 4. Jahrtausend vor Christus schließen. Ausgrabungen zeigen, dass bereits 2.500 v. Chr. eine hoch entwickelte Kultur bestand, deren Bevölkerung vorwiegend aus nomadischen Beduinenstämmen und Fischern bestand.

Geografie

Hinter einer bis zu fünfzig Kilometer breiten Küstenzone am Persischen Golf mit zahlreichen vorgelagerten Inseln erstreckt sich ein bis zu 200 Meter hoher Landrücken der in Richtung Saudi Arabien in die große Sandwüste, der Rub al-Khali, abfällt. Im Osten der Emirate erstrecken sich bis zu 2.100 Meter hohe Ausläufer des Oman bzw.Hajjar-Gebirgs, die steil zur schmalen Küstenebene am Golf von Oman abfallen. Nur wenige Süßwasserquellen wie beispielsweise in Abu Dhabi und Al Ain bzw. Grundwasserreserven in den Liwa Oasen waren Ansatzpunkte für eine dauerhafte Nutzung. Heute wird der meiste Teil des Süßwassers durch Anlagen zur Meerwasserentsalzung gewonnen.

Geschichte

Jüngste archäologische Forschungen haben ergeben, dass auch wenn die Gründung der heutigen Handels- und Wirtschaftsmetropole Dubai erst um 1830 n. Chr. erfolgte es bereits vor rund 7.500 Jahren erste Fischersiedlungen am Arabischen Golf existierten. Im 7. Jhd. n. Chr. wurde das Gebiet das die heutigen Vereinigten Arabischen Emirate bildet von den arabisch-islamischen Eroberungen mit der Schlacht von Dibba an der omanischen Küste (635 n. Chr.) erfasst.

Nachdem bereits im 16 Jhd. Portugal in der Region zur Sicherung der Seewege nach Indien in der Region auftrat schloss seit 1820 Großbritannien mit den Scheichtümern Verträge um sich vor den arabischen und persischen Seeräubern an der so genannten Piratenküste zu schützen, wodurch die Außen- und Verteidigungspolitik des Gebietes übernommen wurde. Die strategische Lage der Region hatte für Großbritannien besondere Bedeutung im Hinblick auf die Sicherung des Seeweges nach Britisch Indien. In die internen Angelegenheiten griff Großbritannien, im Gegensatz zu anderen Regionen, jedoch kaum ein.

Auch wenn man an der Küste intensiven Fischfang sowie den Bau von Dhows, den klassischen arabischen Segelbooten, die auch heute noch Verwendung finden, betrieb so waren es die Perlentaucher, die ganz wesentlich dazu beitrugen, dass sich vor allem Dubai zu Ende des 19. Jhds. zu einem der bedeutendsten Handelszentren der Region entwickeln konnte und um 1870 zum führenden Hafen an der Golfküste aufstieg. Damit wurde Dubai zeitgleich, bis zum Erliegen des Marktes durch die Entwicklung japanischer Zuchtperlen 1940, ein höchst attraktiver Standort für Kaufleute aus der Golfregion sowie Iran und Indien. Da Dubai aber bereits um die Jahrhundertwende über einen der größten Suqs der Region verfügte und sich insbesondere der Handel mit Gold stetig entwickelte konnte dieser Rückschlag dank der Etablierung als Stadt der Kaufleute rasch überwunden werden.

Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Suche nach Erdöl auf der Arabischen Halbinsel intensiviert und drei Jahre nach der Entdeckung begann man in Dubai 1969 mit der Exploration des Schwarzen Goldes. Parallel begann das bisher als Kolonialmacht in der Region auftretende Britische Empire mit den ersten Schritten seines Rückzuges. Ein Umstand der schon rasch die gesamte politische Geografie der Region beeinflussen sollte. Der raschen Fortschritte bei der Erdöl Exploration sowie die Preissteigerungen von 1973 bzw. während der Ölkrise 1979 und 1980 machten die Vereinigten Arabischen Emirate zu einem der reichsten Flächenstaaten der Erde.

Gründung

Sheihk Zayed bin Sultan an-Nahya, der Herrscher von Abu Dhabi, sowie der damalige Herrscher von Dubai, Sheikh Rashid bin Sa’d al-Maktoum waren rasch von den Vorteilen einer gemeinsamen Föderation der einzelnen Emirate am Golf überzeugt, die mit der Gründung der Vereinigten Arabischen Emirate, einer Föderation der sieben autonomen Emirate Abu Dhabi, Dubai, Ajman, Sharjah, Umm al-Quwain, Fujairah und Ras al-Khaimeh vollzogen wurde. Nach der der provisorischen Verfassung von 1971 ist dieser Zusammenschluss für weitere Länder offen, so dass jedes arabische Land dieser beitreten kann.

Abu Dhabi und Dubai

Geprägt werden die Vereinigten Arabischen Emirate, deren Fläche in etwa der von Österreich entspricht, durch die beiden größten Partner der Föderation. Abu Dhabi heute Sitz der Bundesregierung und Zentrum der Erdölindustrie und Dubai, das als bedeutende Handelsdrehscheibe über Geschäftsbeziehungen weit über die Region hinaus verfügt.

Emirate Heute

Wichtigstes Machtorgan ist der Oberste Rat, der sich aus den Herrschern der einzelnen Emirate zusammensetzt. Die Emirate Abu Dhabi und Dubai besitzen ein Vetorecht. Der Rat bestimmt den Konsultativrat mit seinen vieruig Mitgliedern, die von den einzelnen Herrschern ernannt werden und die Aufgaben eines beratenden Organs mit gewissen legislativen Vollmachten übernimmt. Die laufenden Regierungsgeschäfte werden durch den vom Rat der Herrscher ernannten Fachminister geführt. Die Gesetzgebung liegt de jure beim Kabinett, de facto wird diese von den sieben Emiren ausgeübt. Darüber hinaus verfügen die einzelnen Emirate aber auch über eigene Regionalregierungen und Verwaltungen, die eigene Budgethoheiten haben und von der Zentralregierung weitgehend selbständig sind, da nur Kernkompetenzen wie unter anderem Außen- und Verteidigungspolitik, Infrastruktur sowie Geld-, Wirtschafts- und Sozialpolitik abgegeben wurden. Die soziale Absicherung der Bevölkerung ist ausgesprochen umfangreich: Bedürftige erhalten ab dem vierzigsten Lebensjahr staatliche Renten, Wohnung, Strom- und Wasserversorgung sind für alle kostenlos. Die Emirate verfügen über große Erdöl- und Erdgaslagerstätten, die auch Off Shore vor der Küste des Persischen Golfs abgebaut werden. Größter Ölproduzent ist das Emirat Abu Dhabi, gefolgt von Dubai und weit dahinter die Emirate Sharjah und Ras al-Khaimeh.

Klima

Das Klima entlang der Küstenzone kennzeichnet sich durch hohe Sommertemperaturen (34°C im August) und hohe Luftfeuchtigkeit (bis zu 99%) und kühlere, aber verhältnismäßig warme Winter (20°C im Februar) aus. In Richtung Landesinnere steigt die Temperatur mit abfallender Luftfeuchtigkeit deutlich an. Die zumeist geringen Niederschläge (50 bis 100 mm pro Jahr) fallen meist als Starkregen, der dann unter Umständen kurzzeitige Überschwemmungen auslöst. Lediglich entlang des Omanischen Gebirges muss mit höheren Niederschlägen von rund 300 mm pro Jahr, also rund ein Drittel der jährlichen Niederschlagsmenge Hamburgs, gerechnet werden.

Oman gestern und heute
Bildnachweis: Abu Dhabi Skyline © Department of Culture & Tourism Abu Dhabi